Aktuelles

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In Reaktion auf einen Antrag der CDU-Fraktion von Ende 2017, die bereits seit den Dreißiger Jahren parzellierten und als Bauland erworbenen Grundstücke "Am Rund" und am "Wolfswerder" (die nicht Eigentum der Erbengemeinschaft Gérard sind) mittels eines Bebauungsplanes einer geordneten Bebauung zuzuführen, hat die B90/Grünen-Fraktion ihrerseits mit der DS-Nr. 017/18 einen Antrag in die Gemeindevertretung eingebracht, der vorsieht, die außerhalb des LSG "Parforceheide" gelegenen und derzeit als Pferdekoppel genutzten Gérard'schen Flächen beidseits des Buschgrabenlaufs im Flächennutzungsplan der Gemeinde als "Grünfläche" darzustellen. Dadurch soll der Bebauung der Flächen mit einer zukunftsweisenden Einrichtung für Menschen mit Demenz ein Riegel vorgeschoben werden.

Bemerkenswert ist, dass die Begründung der DS-Nr. 017/18 sachlich unzutreffend ist, wie aus dem Schreiben der Erbengemeinschaft vom 24.03.18 an die Verfasserin des Antrages hervorgeht:

"Sie führen aus, dass „jegliche Bebauung dort (...) zu massiven Fällungen führen“ würde. Das ist für beide Flurstücke nicht zutreffend. Wie Sie wissen, werden sie aktuell als Pferdekoppel genutzt. Sie sind weitestgehend frei von Bäumen, bis auf jene, die wir selbst vor bald 20 Jahren als Alleebäume pflanzten.

Durch eine Bebauung der Flurstücke 1369 und 1329 käme es also keineswegs zu „massiven Fällungen“.

Sie führen weiter aus, dass „diese Grünschneise eine Funktion als Frischluftschneise für Kleinmachnow und nach Berlin hinein“ habe. Das 1998 vom Verfasser der Klimakarten des Berliner Umweltatlas, Herrn Prof. Dr. M. Horbert, erstellte Gutachten hält dagegen fest, dass der Buschgraben „nicht als regionale Belüftungsbahn“ dient. Dafür werden mehrere Gründe aufgeführt, darunter auch die Gesetze der Thermik: aufgrund des warmen Siedlungsbereiches Teltows fehlt es an einer unverzichtbaren Voraussetzung, nämlich einem größeren Kaltlufteinzugsgebiet. Anders ausgedrückt: Frischluft kann nicht vom warmen Siedlungsbereich in Teltow zum warmen Siedlungsbereich in Zehlendorf ziehen.

Eine Frischluftschneise ist daher weder gegeben noch nach wissenschaftlicher Erkenntnis möglich.

Weiter führen Sie aus, dass „Weise Vorfahren (...) um 1900 ein strahlenförmiges System um und in Berlin angelegt (haben), um die Wohnbebauung mit Grünzonen zu durchmischen“. Richtig. Tatsache ist aber: Kleinmachnow wollte zu Beginn der Siedlungsentwicklung in den Zwanziger Jahren unsere Flächen einer Wohnbebauung zuführen. Dies belegt der Fluchtlinienplan von 1929, nach dem die Siedlungsentwicklung in diesem Teil Kleinmachnows tatsächlich erfolgte.

Erst die Nationalsozialisten verordneten zentralistisch – unter Mißachtung der Planungshoheit der Gemeinde – den Bau von Rüstungsbetrieben im grünen Dorfkern sowie 1936 eine Änderung der Bebauungspläne auf Gérard’schem Grund, möglicherweise um eine Grünverbindung in die „Reichshauptstadt“ zu schaffen. Das Ergebnis ist die Straße „Am Rund“. Gleichzeitig untersagten sie aus kriegswirtschaftlichen Überlegungen den Bau von Eigenheimen, wie die Käufer der Baugrundstücke „Am Rund“ und in der Straße „Wolfswerder“ erfahren mussten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden auf Berliner Seite jedenfalls Fakten geschaffen: in diesem Bereich erfolgte eine intensive Bebauung.

Eine nennenswerte Grünverbindung nach Berlin ist daher nicht mehr möglich.

Ich möchte darauf hinweisen, dass dieser Bereich Kleinmachnows sowieso, und auch nach einer möglichen Bebauung der 18 parzellierten Grundstücke sowie der Flurstücke 1369 und 1329, mit dem LSG "Parforceheide" über ein riesiges Naherholungsgebiet von ca. 8,3 Hektar verfügen würde (davon alleine ca. 4 Hektar im Gérard’schen Eigentum).

Sie behaupten, dass „eine weitere Bebauung und der damit verbundene Zuzug die angespannte Verkehrssituation weiter verschärfen“ würde. Mir ist nicht bekannt, ob Ihre Auffassung auf einem Fachgutachten gründet. Wie Sie wissen, hat ein von der Gemeindeverwaltung Kleinmachnow im Zusammenhang mit der 11. FNP-Änderung in Auftrag gegebenes Gutachten ergeben, dass bei der angedachten moderaten Bebauung die Verkehrssituation unproblematisch wäre. Das werden manche anders sehen wollen, aber leitend für die gemeindlichen Entscheidungen sollten nicht die Partikularinteressen einiger Weniger sein, sondern einzig das Wohl der Gemeinde.

Eine moderate Bebauung wird keine Verschärfung der Verkehrssituation verursachen.

Ihren Ausführungen über die Klarstellungssatzung vom 25.09.13 stimme ich grundsätzlich zu, im Außenbereich sollte nicht gebaut werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass es der Gemeinde versagt bleibt, Flächen aus dem Außenbereich auszugliedern und dem Innenbereich zuzuordnen, um z.B. einem erhöhten Bedarf an Wohnraum oder – wie in unserem Fall – an sozialen Einrichtungen im Interesse des Gemeinwohls Rechnung zu tragen.

Ihren Ausführungen über die ökologische Werthaltigkeit der Flurstücke 1369 und 1329 muß ich in aller Form aus folgenden Gründen widersprechen.

Ihre Ausführungen, wonach „sich durch die Grenzlage eine intakte Natur herausgebildet“ habe, sind für den Bereich des heutigen LSG „Parforceheide“ zutreffend, nicht aber für die Flurstücke 1369 und 1329, die Teil der Grenzsicherungsanlage mit Kolonnenweg, Hundelaufgraben, Wachturm etc. waren. Dass das seinerzeitige Ministerium für Umwelt, Natur und Raumordnung (MUNR) diese Flächen nicht in die endgültige Unterschutzstellung des LSG „Parforceheide“ übernommen hat, ist Ausdruck der Tatsache, dass hier im Sinne des Landschaftsschutzes (von Naturschutz, von dem in dem Zusammenhang immer wieder gerne irreführenderweise gesprochen wird, nicht zu reden) gerade keine schutzwürdige Fläche vorliegt. Diese Einschätzung hat im Übrigen die Biotopkartierung, die die Gemeindeverwaltung im Rahmen der Vorbereitungen zur 11. FNP-Änderung hat durchführen lassen, bestätigt.

Da die Flurstücke 1369 und 1329 – anders als von Ihnen dargelegt – nicht über einen Eichenmischwald verfügen, sondern unbewaldet sind, besteht auch kein Anlaß zur Waldumwandlung. Vielmehr böte sich im Zuge einer Bebauung die seltene Gelegenheit, die vorgeschriebenen Ausgleichsmaßnahmen, die allein aus der Versiegelung von Böden resultieren, unmittelbar angrenzend im LSG-Gebiet durchzuführen und dessen Wert damit für alle zu steigern.

Sie führen aus, dass der Buschgrabensee als „Naturraum (...) zu erhalten und nicht zu stören“ sei. Dem stimme ich zu. Da der See im LSG „Parforceheide“ liegt und von diesem auch künftig komplett umschlossen wird, bleibt dieser Naturraum selbstredend ungestört.

Erlauben Sie mir aber den Hinweis, dass der Buschgrabensee ein 1926 künstlich angelegtes „technisches Gewässer“ ist und kein Natursee mit kristallklarem Wasser. Er dient ausschließlich als Rückhaltebecken der Oberflächenentwässerung von Zehlendorf. Wer diese technische Funktion leugnet, nimmt Überschwemmungen in Kleinmachnow und im oberen Lauf des Buschgrabens billigend in Kauf. Dies ist übrigens auch der Grund, warum die Berliner Stadtentwässerung turnusmäßig den Biberdamm so weit zurückbauen lässt, dass der Buschgrabensee stets einen Wasserpegel hält, der dessen Rückhaltefunktion gewährleistet.

Wird dies versäumt, wird der Buschgrabensee zur potentiell gesundheitsgefährdenden Kloake: wenn nämlich die Kanalisation – wie anläßlich der großen Regengüsse im Sommer 2017 geschehen – in Teilen Zehlendorfs überläuft und zu guter Letzt als Fäkalieneintrag im Buschgrabensee landet. Dort konnte aufgrund der Stauung durch den Biberdamm nichts abfliessen, angrenzende Flächen wurden überflutet und viele alte Bäume verloren infolge der Durchweichung des Bodens ihren Halt und fielen um; und was ein höherer Wasserpegel langfristig für die Keller der alten Siedlungshäuser in Seenähe bedeutet, möchten Sie sich sicherlich nicht ausmalen...

Verantwortung für das Gemeinwohl

Sie sprechen von „Verantwortung für das Allgemeinwohl“. Die Erbengemeinschaft fühlt sich diesem Anspruch verpflichtet: wir erinnern daran, dass wir nach 1989 auf Rückübertragungsansprüche auf Grundstücke, die auf Grundlage des DDR-Aufbaugesetzes enteignet und bebaut worden waren, verzichtet haben als bewußten Beitrag zur Sicherung des sozialen Friedens in Kleinmachnow.

Damit wollen wir es nicht bewenden lassen. Die Erbengemeinschaft Gérard möchte auf ihrem außerhalb des LSG gelegenen Land eine zukunftsweisende Einrichtung für die Betreuung und Pflege von dementiell erkrankten Menschen und deren Angehörigen schaffen. Wir nennen sie MEHR ALZ HEIMAT – Einrichtung für Menschen mit Demenz in Kleinmachnow. Sie kann nur im Einklang mit der Gemeinde sowie den Kleinmachnower Bürgern verwirklicht werden.

Ihr Antrag sollte der Diskussion und Meinungsbildung darüber nicht vorgreifen und Kleinmachnow damit einer großen Chance berauben."

Unbeeindruckt von den vorgenannten Widersprüchen in der Begründung hat die Gemeindevertretung in ihrer Sitzung vom 08.11.18 die DS-Nr. 017/18 mit 19 Ja-Stimmen und 7 Nein-Stimmen bei einer Enthaltung mit großer Mehrheit angenommen. Damit ist eine Realisierung des Vorhabens „Mehr Alz Heimat" in Frage gestellt.

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